Über soziales Leben und Zusammenleben

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Lernen aus der Vergangenheit?

In Finanzwesen on 23. Oktober 2008 at 8:22

Wenn die Börsenkurse fallen,

regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in „Die Weltbühne“

„Einkaufen“ statt „Freikaufen“

In Finanzwesen on 14. Oktober 2008 at 8:36

Das Finanzsystem steht knapp vor dem Kollaps und uns droht eine neue weltweite Rezession. Wir müssen jetzt schnell handeln und die zugrunde liegenden Probleme anpacken und nicht die US-Bail-outs kopieren, denn von denen profitieren nur rücksichtslose Finanziers!

Das ist ein Statement der internationalen Organisation Avaaz.org, die mehr als drei Millionen Mitglieder vertritt. Avaaz.org hat zur Finanzkriese eine Petition verfasst, wobei man sich bei den etwas mehr als 70.000 Stimmen wundert, wo die anderen 2.930.000 Mitglieder sind.

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